Praxis Dr. Jörg HEILKUNST/PRAXIS/MEDIZIN
Als das Ärzte-Ehepaar Jörg Anfang des Jahres an uns, zwei sehr unterschiedliche Künstler aus dem Paznaun,
mit der Idee herantrat, eine künstlerische Intervention für die neue Praxis im schon weit gediehenen Gemeinde- zentrum im Dorfzentrum von Kappl zu ersinnen, stellte uns dies vor eine besondere Herausforderung: Es sollte eine Gemeinschaftsproduktion in Idee und Gestaltung werden. Eine gute Basis dafür war unser gemeinsamer starker Bezug zur Heimat und eine alte, erprobte Freundschaft, die uns auch mit den Dr. Jörgs verbindet.
Nach einigen überschießenden Einfällen einigten wir uns auf das weite Gebiet des Typographischen, das uns
beide aus unterschiedlichen Anwendungen vertraut ist. Es galt, einige markante Momente aus dem örtlichen Kontext (sowohl dem geografischen Ort der Praxis dem Sprengel Kappl als auch dem gebauten, architekto-nisch definierten Ort der Ordination), aus der ärztlichen Tätigkeit und aus dem Allgemeinen der Medizin als Heilkunst herauszuarbeiten und sprachlich und in der Folge schrift-bildlich zu fixieren.
Die Mehrdeutigkeit des Wortes Praxis hat sich als zentrales sprachliches Motiv besonders angeboten.Zusammen mit dem Ortsnamen zentriert es in der im Eingangs- und Warteraumbereich zuerst sichtbaren und von beiden Seiten offen einsehbaren Glaswand eine Textur aus den Weilernamen des Sprengels Kappl. Das spielerische Prinzip, das in den Zeilen dieser Wörteraneinanderreihung abläuft, die sich mehrfach von A bis Z und vom Z bis zum A wieder rückwärts abspult, erinnert an das beständige Hin und Her der Bewegungen des Arztes, sei es als reale Bewegungen im Dorf oder wenn die Patienten aus allen Ecken des Dorfes beständig an ihm vorbeiströmen.
Die Art, wie die Weilernamen eingesetzt sind, entspricht weitest gehend der Dialektversion, die für die Bevölke-rung die wesentliche ist, unabhängig von der eingedeutschten Form für Kartographierung und behördliche Handhabung. Sie erscheint in geschriebener Form fremdartig und ungewohnt, erhöht aber gleichzeitig den Orts-bezug, die Authentizität und die Präzision der (verschrifteten) Abbildung, Gleichzeitig betont es das Poetisch-Lautmalerische aus dem örtlichen Idiom.
Diese Wand sollte möglichst transparent bleiben, im Gegensatz zur zweiten, die einen speziellen Behandlungs-raum abtrennt und die sich als Träger eines Schriftbildes angeboten hat, das das Arzt-Patienten-Verhältnis thematisiert, welches in seiner gelungenen Form die Basis jedes Heilverfahrens darstellt. Es breitet sich vom zentralen Motiv ausgehend als flächig-räumliche Struktur über den wesentlichen Abschnitt der Wand aus und bewirkt eine Abgeschlossenheit im hinteren Bereich.
Das Allgemeine der Tätigkeit, die den Ort einer Arztpraxis ausmacht ist die Heilkunst Medizin. Wenn an der langen Gangwand zwischen Heilkunst und Medizin nochmals das Wort Praxis angebracht wurde, dann erscheint es hier in seiner zweiten wesentlichen Bedeutung, der der ausgeübten Tätigkeit der Heilkunst Medizin. Der Begriff der Heil-Kunst verbindet sich hier aber auch weit gedeutet mit dem Kunstwollen und der Kunstpraxis der beiden Gestalter Otmar Grissemann und Georg Salner, sodass eine in Verbindung mit dem Innendesign von Karl Gitterle gelungene Kunst-Praxis entstanden ist.
Die reduzierte Farbpalette wurde auf Basis des Vorschlags der Künstler in Absprache mit Architekt Gitterle und den Erstnutzern speziell entwickelt.
GS 09